Ja, ich war’s – Mut zu einer positiven Fehlerkultur

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Ja, ich war’s – Mut zu einer positiven Fehlerkultur

Auf dem Weg zu einer neuen Sicht auf Fehler

Positive Fehlerkultur entwickeln

„Es gibt kein Tun ohne Fehler.“ Immer und überall, wo wir uns Problemen und Aufgaben widmen, besteht die Möglichkeit Fehlentscheidungen zu treffen. Obwohl uns das klar ist, fällt es uns schwer, Fehler einzugestehen. Auf der anderen Seite, sind wir nur zu gerne bereit, die Fehler anderer hervorzuheben. Leider nur selten, um gemeinsam daraus eine bessere Lösung zu finden, sondern um uns positiv abzugrenzen. Diese mißbilligende Sicht wertet unser Gegenüber ab und ist wenig hilfreich, wenn es darum geht, zu lernen und sich zu entwickeln. Was wir brauchen ist eine positive Fehlerkultur, eine integrierende Sicht auf Fehler und ein aktives Fehlermanagement.

Auf der anderen Seite wiederum scheinen wir Fehlern anderer gegenüber toleranter zu sein, wie eine Studie der Developer Week zeigt.

Diese beiden widersprüchlichen Tatsachen zeigen die Zerissenheit, wenn es um die Handhabung von Fehlern geht: der Wunsch Fehlern gegenüber aufgeschlossener zu sein, trifft auf die Angst, selbst Fehler zu machen. Das führt dazu uns auf Kosten anderer abzuheben. Positive Fehlerkultur

Offen über Fehler reden dürfen

1) Keine Schuldzuweisungen

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass alle Mitarbeiter nach bestem Wissen und Verständnis entscheiden. Kaum jemand führt willentlich einen Fehler herbei. Zum Zeitpunkt der Entscheidung erschien sie unter allen Alternativen als die Beste. Deshalb sind Schuldzuweisungen – auch wenn man sehr verägert ist – falsch.

Mitarbeiter brauchen das Gefühl, Fehler zugeben zu können. Wer Angst vor Schuldzuweizungen oder gar öffentlicher Bloßstellung hat, wird viel Energie in die Vermeidung von Fehlern, bzw. deren Vertuschung stecken.

2) Wertschätzung für Vertrauen

Statt dessen sollten sie Wertschätzung für ihre Offenheit erfahren. Im ersten Schritt genügt es wahrzunehmen, was schief gelaufen ist. Punkt. Ein „Danke“ für das Vertrauen setzt ein positives Signal.

3) Vorbild sein

Wer etwas ändern möchte, muss fast immer Vorarbeit leisten. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, dass auch Sie bereit sind, Fehler einzugestehen. Damit schaffen Sie Vertrauen und ermöglichen es Ihren Mitarbeitern, sich an Sie zu wenden. Machen Sie klar, dass es für Sie ein Teil der Verantwortung ist, eigene Fehler zu sehen und zugeben zu können. Erkennen Sie an, wenn jemand diese Verantwortung ernst nimmt.

Verantwortung für Verbesserung

Wenn wir Fehler machen und sie als solche erkannt haben, brauchen wir die Möglichkeit, sie zu beheben.

1) Keine Bestrafung

Es ist ein schwerer Schritt, sich offen zu einem Fehler zu bekennen. Wenn sich ein Mitarbeiter dazu durchgerungen hat, möchten Sie ihm vielleicht als erstes die Aufgabe entziehen. Vermeiden Sie impulsive Entscheidungen. Geben Sie die Verantwortung zurück und geben Sie ihm oder ihr die Chance, zu korrigieren und die Aufgabe zu einem befriedigenden Ende zu bringen. Positive Fehlerkultur

2) Ursachenforschung

Finden Sie gemeinsam heraus, wie es zu dem Fehler kommen konnte. Dabei sollten Sie Schuldzuweisungen („Kollege A hat…“) sofort einen Riegel vorschieben. Genauso sollten Sie Rechtfertigungen unterbinden. Beides ist für die Behebung des Fehlers wertlos.Positive Fehlerkultur

Fehler definieren

In nur ganz wenigen Bereichen ist es zulässig, zwischen „richtig“ und „falsch“ zu unterscheiden. Nicht mal 1 + 1 steht unumstößlich fest. Diese Regel gilt nur solange, bis jemand das Gegenteil beweist. Das klingt bizarr, ist aber wissenschaftlich korrekt.

In den allermeisten Fällen, haben wir mit einem Spektrum von Alternativen zu tun. Das Beste was wir tun können, ist die günstigen von den weniger günstigen zu unterscheiden. Positive Fehlerkultur

1) Perfektionismus wo er notwendig ist

In unserer Wahrnehmung ist Fehler gleich Fehler. Das führt nicht selten zu einem energiefressenden Perfektionismus, wo Input in keinem Verhältnis zum Output steht.

Ich möchte Ihnen wieder einmal die Pareto-Regel ans Herz legen: um bis zu 80% an die Perfektion heranzureichen, benötigt man 20% der Zeit. Für die restlichen 20% müssten Sie die restlichen 80% der Zeit investieren.

Überlegen Sie, welche Aufgaben mit 80% gut genug für den Unternehmenserfolg sind.

Definieren und kommunizieren Sie aber genauso, für welche Aufgaben sich die Mitarbeiter mehr ins Zeug legen müssen, weil wirklich etwas auf dem Spiel steht. Dafür müssen sie aber auch fairerweise mehr Ressourcen zur Verfügung haben (längere Deadlines; Personal). Positive Fehlerkultur

2) Produktive Fehler erkennen

Identifizieren Sie die Bereiche, in denen Fehler dem Lern- und Entwicklungsprozess zuträglich sind. In diesen Bereichen sind Fehler lediglich als Ergebnis einzustufen, dass das weitere Arbeiten vorantreibt.

Grenzen Sie diese Bereiche deutlich von jenen ab, in denen Fehler gravierende Konsequenzen haben.

3) Einmal Fehler immer Fehler

Fehlerbeschreibungen sollten dynamisch sein – was zu einem Zeitpunkt ein Fehler war, muss zu einem anderen Zeitpunkt keiner sein. Selbst Fehlentscheidungen sollten immer mal wieder neu bewertet werden.

Fehler aufzeigen

Leider ist es ja oft so, dass manche Kollegen vor allem damit beschäftigt sind, die Fehler anderer zu identifizieren und herauszustreichen. Manchmal kann das auch hilfreich sein. Damit es auch wirklich nur in den hilfreichen Fällen passiert sind zwei Dinge wichtig:

1) Was ist ein Fehler?

Ihre Mitarbeiter müssen wissen, was in Ihrem Unternehmen als benenneswerter Fehler gilt. Stellen Sie sicher, dass es ein Einvernehmen darüber gibt. Außerdem muss klar sein, dass mit dem Erkennen auch eine Verantwortung besteht. Das muss nicht immer das Ansprechen im Meeting sein. Es kann auch ein Hilfsangebot an den betreffenden Kollegen sein.

2) Ansprechen allein reicht nicht

Nur wer auch eine Alternative anzubieten hat, darf auf eine Fehlentwicklung hinweisen. Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter in die Verantwortung und laden Sie sie ein, andere Möglichkeiten aufzuzeigen.

3) Respekt

Achten Sie darauf, dass Mitarbeiter nicht bloßgestellt werden. Oft werden Fehler und Person verschmolzen und das spiegelt sich in der Wortwahl wieder. Sätze wie

– „Das ist typisch“

– „Das hab ich Dir gleich gesagt“

– „Du hast das falsch verstanden“

führen nur zu einem: Abwehrhaltung und Gegenanklagen. Schließlich geht es jetzt nur noch darum, das Gesicht zu wahren.

Eine Kritik richtig vorgebracht ist ein Gefallen, denn sie gibt die Möglichkeit zur Korrektur. In Cockpits ist es z.B. üblich, einfach freundlich auf einen Fehler hinzuweisen, dem Kollegen oder der Kollegin die Möglichkeit zur Korrektur zu geben. Das wird mit einem „Danke“ quittiert. Ein wertschätzendes Miteinander gelingt also selbst in einem Arbeitsumfeld, in dem ein Fehler Leben kosten kann. Warum sollte es also nicht in anderen Arbeitszusammenhängen gelingen?

Mitarbeiter, die fähige sind wertschätzende Kritik anzunehmen, verdienen Anerkennung. Denn sie schaffen es, das gemeinsame Ziel im Auge zu behalten und sie sind frei von Machtinteressen. Positive Fehlerkultur

 

Göran Askeljung

Prof. (op) Göran Askeljung, BcEE – ist Geschäftsführer und Senior Trainer bei Askeljung Associates und immediate effects Ltd., Certified Facilitator und Partner von Consensus in NY, und Leitet Consensus Österreich und Deutschland. Er ist Vorstandsmitglied in der Schwedischen Handelskammer in Österreich und Mitglied des Beirats von WdF. Er war früher u.a. als Managing Director von Microsoft MSN in Österreich und Geschäftsbereichsleiter von Ericsson Data CEE in Wien tätig.

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